Ein Sprinttest, zwei Auswertungen – und sechs Gründe, warum die Exercise Sciences von bayesianischer Statistik besonders profitieren.
Ein Sprinter absolviert 8 Testläufe: 6 mal unter Bedingung A, 2 mal unter Bedingung B. Beide Verfahren analysieren identische Daten – mit fundamental unterschiedlichen Schlussfolgerungen.
t-Test (abhängige Stichproben):
t(9) = 1.74, p = 0.116
Problem: Bei n = 11 ist die Power minimal. Ein echter Effekt von 0,18 s würde mit >80% Wahrscheinlichkeit übersehen. Das Ergebnis sagt buchstäblich nichts.
Prior: Normal(0.15, 0.10) s basierend auf Literatur
BF₁₀ = 3.8 · 95% HDI: [0.04, 0.32] s
Übersetzt auf unser Sprint-Beispiel bedeutet jeder Term Folgendes:
Studien im Hochleistungsbereich sind meist strukturell inkompatibel mit den Grundannahmen frequentistischer Statistik. Argumente::
n = 3–12 ist die Realität im Hochleistungssport. Hypothesen-Testung liefert bei dieser Power systematisch unzuverlässige Ergebnisse. Bayes stabilisiert durch Priors.
Weltklasse-Athleten haben keine Grundgesamtheit. Es gibt kein valides Sampling-Modell. Bayesianische Schätzung arbeitet ohne diese Annahme.
Jahrzehnte physiologischer Forschung liegen vor. Bayesianische Priors erlauben explizite Nutzung dieses Wissens – statt es zu ignorieren.
Individuelle Trainingssteuerung erfordert individuelle Schätzung. Bayes erlaubt sequentielle Updates mit jeder neuen Messung.
Im Sport entscheiden Zehntel- oder Hundertstelsekunden. Bayes liefert vollständige Verteilungen über Effektgrößen – nicht nur binäre Entscheidungen.
McLean et al. (2021) zeigen: Sportwissenschaft leidet am Transfer-Problem. Bayesianische Schätzung mit Priors macht Wissen kumulativ und transferierbar.